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    Gewohnheit ist der Feind der Liebe

    Am
    Anfang einer Beziehung scheint alles ganz leicht. Wir scheinen wie füreinander
    gemacht zu sein, finden mühelos die richtigen Worte, fühlen uns verstanden wie
    noch nie und bekommen 
    all das, was wir uns schon immer von gewünscht haben: Liebevolle
    Aufmerksamkeit, Zärtlichkeit, Geschenke, gemeinsame Aktivitäten und jede Menge
    Zeit füreinander.  Ein Blick sagt mehr als tausend Worte. Wir fühlen uns
    geliebt, anerkannt und voll kraftvoller Energie. Am liebsten würden wir die
    ganze Welt umarmen. Was uns sonst einengt, scheint sich aufzulösen- wir sind
    eins. Es ist wie ein Wunder, dass uns einfach so geschenkt wird. Das muss Sie
    sein- die einzig wahre, große Liebe. Genauso soll es weitergehen…

    Irgendwann
    wachen wir auf und sind in der Normalität angekommen. Die Frau, die Sie
    vielleicht als so gesellig und großzügig kennengelernt haben, scheint plötzlich
    eine Verschwenderin zu sein, an deren Treue man zweifeln muss. Der Ruhige,
    Besonnene wird scheinbar zum Langweiler. Der Machertyp ist plötzlich ein
    dominanter Macho, der viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt ist. Was ist
    passiert? Haben Sie sich geiirt, oder hat sich Ihre Traumprinzessin oder Ihr
    Traumprinz in einen Frosch verwandelt?

    Willkommen
    in der Realität! Jetzt beginnt die Beziehung eigentlich erst richtig. Alles
    andere war gewissermaßen ein Vorspiel. Und damit sind wir auch schon bei
    unserem größten Denkfehler. Der Zustand der Verliebtheit prägt unser Bild von
    einer idealen Beziehung. Genau so wir am Anfang soll es sein- alles andere
    scheint nur der Beweis dafür, dass wir in einer handfesten Krise stecken.

    Stimmt
    das wirklich? Die Wahrheit sieht zum Glück etwas anders aus. Aus der
    symbiotischen Verschmelzung sind wieder zwei Menschen geworden. Zwei Menschen
    mit unterschiedlichen Wahrnehmungen, Prägungen und Erfahrungen und Grenzen.
    Zwei Menschen mit einer möglicherweise vollkommen verschiedenen Persönlichkeit,
    mit einer anderen Art sich auszudrücken und ihre Liebe zu zeigen. Das ist vollkommen
    normal. Und es kann eine sehr spannende Erfahrung sein, das neu zu entdecken.
    Doch im Gegensatz zur Phase der Verliebtheit, wo alles wie von selbst gelingt,
    gilt es jetzt bewusst etwas für die BEziehung zu tun, damit Sie lebendig
    bleibt.

    In
    der Paarberatung bitte ich meine Klienten oft sich doch einmal vorzustellen,
    dass Ihre Beziehung. also das WIR, Ihre Verbindung, ein lebendiges Wesen wäre.
    Damit das WIR lebendig bleibt, muss man es füttern, sonst vegetiert es nur vor
    sich hin und stirbt irgendwann. Ein gesundes WIR braucht etwas Zeit, es braucht
    Aufmerksamkeit, es braucht gegenseitige Wertschätzung und Anerkennung,
    Zuneigung, es braucht gemeinsame Erlebnisse und Ziele, damit es ihm gut geht. ehrlicher
    Austausch ist wichtig, Nähe und Berührung, Sex und vieles andere mehr.

    Und?
    Wie geht es Ihrem Wir? Ist es groß und gesund oder eher klein und traurig? Was bräuchte
    es, um lebendiger zu sein? Was wünscht es sich? Was können Sie tun, dass Ihr
    WIR größer und stabiler wird?

    Ich
    bin sicher, dass sich dafür etwas tun lässt und es ist nie zu spät dafür. Am
    besten warten Sie gar nicht erst, bis Ihr Partner oder Partnerin den ersten
    Schritt macht, sondern sie beginnen selbst etwas für Ihre Beziehung zu tun…es
    wird nicht unbemerkt bleiben, sie werden sehen.

    Lebendige Paarkommunikation

    Wahrscheinlich gibt es viele Dinge, die Sie jeden Tag mit Ihrem
    Partner zu besprechen haben: Wer den Geschirrspüler ausräumt, wer die Kinder
    zum Training fährt, den Einkauf erledigt oder wohin Sie das nächste Mal in den
    Urlaub fahren wollen. Das ist Beziehungsalltag. Sie funktionieren offenbar
    wunderbar und reden auch miteinander, aber eben oft nur über Alltägliches

    Wann aber haben Sie das letzte Mal von sich selbst gesprochen, von
    Ihren Wünschen, Zielen, Träumen? Von 
    all dem, was Sie tief innen bewegt, was Sie begeistert, interessiert
    oder auch verletzt? Wann haben Sie sich das letzte Mal Zeit genommen, Ihrem Partner
    genau zuzuhören- Ihn zu fragen wie es Ihm jetzt in diesem Moment wirklich geht?

    Und wann haben Sie das letzte Mal über Ihre Beziehung gesprochen.
    Und dabei meine ich nicht die tausend alltäglichen Themen, die sich um Abläufe
    und Zuständigkeiten drehen- ich meine Ihre Gefühle füreinander, wie Sie über
    Ihre Beziehung denken, was Sie ärgert oder freut, was Sie sich vielleicht
    wünschen, welche Bedürfnisse Sie haben? Wann haben Sie das letzte Mal über Sex
    gesprochen?

    Warum es so schwer ist, nein zu sagen…

     Vielleicht kennen Sie das auch, dass es Ihnen
    manchmal sehr schwerfällt „nein“ zu sagen oder sich durchzusetzen? Kennen
    Sie das Problem, sich zu sehr anpassen, es anderen recht zu machen, die eigenen
    Bedürfnisse hinten anzustellen und immer nett sein zu müssen? Das ist ganz
    schön anstrengend, oder?

     Jedes Mal, wenn Sie etwas nicht wollen, es dann
    aber doch tun,
    entsteht ein Widerspruch
    zwischen Ihren inneren Bedürfnissen und Ihrem Verhalten in der Außenwelt. Und
    das erzeugt immer Druck und Stress in uns. Also Warum tun wir uns das
    eigentlich an?